Die SPD-Paffengrund trauert um Gerda Schmitt

Foto privat: Gerda Schmitts 97. Geburtstag, v.l.n.r. Mathias Michalski, Gerda Schmitt, Hans Schmidt

Nun hat Gerda uns doch ein einziges Mal einen Wunsch verweigern müssen. Wir wollten mit ihr am 23. Oktober 2023 ihren 100. Geburtstag feiern und nun wird leider daraus nichts mehr. Gerda Schmitts langes und erfülltes Leben ist nun zu Ende. Fast ein Jahrhundert deutsche Geschichte hat sie miterlebt, geboren im Jahr als Gustav Stresemann Reichskanzler wurde, der Hitler-Ludendorff in München scheiterte und Friedrich-Ebert Reichspräsident der Weimarer Republik war. Zunächst in Berlin aufgewachsen, zog sie nach Kriegsende in den Pfaffengrund, wo sie bis zuletzt in der Markstraße wohnte.

Gerda blieb bis zuletzt aktives Mitglied der SPD im Pfaffengrund und besuchte noch im letzten Jahr unsere Ortsvereinssitzungen, solange diese noch in Präsenz stattfinden konnten. Jahrzehntelang aktiv bei der Arbeiterwohlfahrt, engagiert im Stadtteilverein und immer dort, wo helfende Hände gefragt waren. Gerda war nicht wegzudenken, sie war immer dabei und meistens aktiv mittendrin.

Wenn ein Mensch stirbt, erlischt eine ganze Bibliothek, sagt man. Gerda war das Geschichtsbuch unserer Partei im Stadtteil. Ihrem Peter folgte sie nach Heidelberg, den sie heiratete und ihm bis zu seinem Tod den Rücken freihielt. Er, das erstgeborene Kind des Pfaffengrundes und später langjähriger und legendärer Vorsitzender der Pfaffengrunder SPD, auch der kleine Kluncker genannt, nach dem damaligen Vorsitzenden der ÖTV.

Alle Wahlkämpfe hat sie aktiv mitbegleitet, den von Robert Weber, dem ersten Oberbürgermeister der SPD in Heidelberg, seinem Nachfolger Reinhold Zundel bis zu Beate Weber. Die Landtagswahlkämpfe mit Karl Ebert in den fünfziger und sechziger Jahren, die von Willi Edelhoff in den siebziger Jahren, von Brigitte Unger-Soyka in den neunziger Jahren und die von Claus Wichmann zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Alex Möller, Hartmut Soell und Lothar Bindung unterstützte sie auf dem Weg in den Bundestag.

Die rauschenden Feste im alten Gesellschaftshaus wie im neuen Gesellschaftshaus halt sie immer vom Einsammeln der Tombolagaben, beim Aufbau und beim Abbauen mitgewirkt.

Gerda stärkte ihrem Mann den Rücken und war gute Gastgeberin in der Marktstraße, wenn Heinz Kluncker kam, Bremens Bürgermeister Hans Koschnick, Kanzleramtsminister Hans-Jürgen Wischniewski (Ben Wisch) oder der Erste Bevollmächtigte der IG-Metall, Franz Steinkühler.

Unsere Gerda war immer bescheiden in der zweiten Reihe und sorgte gerne dafür, dass die erste Reihe glänzen konnte und Dinge gelangen. Pessimismus lag ihr fern, sie nahm die Dinge so wie sie waren, um dann das Beste daraus zu machen. Ihr großes Herz wollte am Schluss nicht mehr so, wie sie es wollte. Das Herz schlägt links, heißt es bei uns Sozialdemokraten. Gerdas schlug politisch links, weil es für sie da kein Vertun gab. Wir nehmen Abschied im Wissen, dass die Selbstverständlichkeit der Hilfsbereitschaft von Gerda nicht selbstverständlich war und sagen tieftraurig Danke für alles.

Deine SPD-Pfaffengrund

Foto privat: Anlässlich des 100. Geburtstages von Peter Schmitt, v.l.n.r.: Hans Schmidt, Gerda Schmitt, Marianne Carver, Claus Wichmann, Peter Metzger, Doris Metzger, Reiner Nimis